Traditioneller Bogenbau - Langbogen / Holzbogen

 Holger Berty


traditionelle Bögen
Bambusbelegte Holzbögen

Primitivbogen, Holzbogen, Selfbogen
Langbogen

Hier geht´s zur GALERIE

zum Instagram Provil von BertyBogen

Der traditionelle Bogen

Es gibt den Weg des Bogens, und er wird gegangen, seitdem wir uns als Homo Sapiens aufrichteten. Seither hat sich "der Bogen" – geprägt durch Wissenstand, Materialien, Erfordernisse, Kulturen, politische Ereignisse und dem uns so ureigenen Wissensdurst – in schier unfassbar vielen Spielarten und Bauformen traditioneller Bögen gezeigt. Doch wie traditionell noch ist ein sogenannter „traditioneller“ Bogen heute, im Zeitalter von Fiberglas, Epoxid und Karbon? Was ist geblieben, was kam in den letzten Jahren dazu?


Eibe Langbogen
Ein English Longbow aus einem besonderen Stück Eibe mit viel Charakter-Wuchs. Solche einmaligen Stücke sind für den Bogenbauer eine nette Herausforderung.
Eibelangbogen

Unser kollektives Wissen zur Herstellung und zum Gebrauch des Bogens hat seine Erscheinung immer weitergetragen. Ein traditioneller Bogen von heute sieht selten noch genauso aus wie seine Vorfahren. Und doch meine ich, einen roten Faden zu erkennen, der sich vom ersten Holzprügel bis zu unseren heutigen Bogen zieht: Es ist die Faszination und Freude an dieser schlichten, aber doch so spannenden Technologie, die es uns ermöglicht, aus eigener Kraft einen Pfeil fliegen zu lassen. Auch wenn unsere Bogen-Wege mitunter unterschiedliche Motivationen haben, verbindet uns doch alle diese Begeisterung.

Mein Bogenweg ist auch der Weg des Bogenbauers. Es gibt im Bogenbau viele Ansätze, einen Bogen zu konzipieren. Soll er schnell sein, haltbar, jagdlich und wendig, zugleich einen weichen Auszug haben, angenehm zu schießen sein? Soll er möglichst energieeffizient hergestellt sein, nur aus biologischem Material bestehen? Soll er einen schweren Pfeil weit werfen können? Und nicht zuletzt, soll er getreu historisch oder einfach nur schön sein?
Sicher gilt es im Bogenbau, den besten Kompromiss zu finden, denn die eierlegende Wollmilchsau gibt es schlicht nicht. Je nachdem, welche Anwendung ins Auge gefasst wird, hat der Bogenbauer die Quintessenz eines passenden Konzeptes angemessen und mit der gebotenen handwerklichen Kompetenz umzusetzen.
Auf der Grundlage unseres heutigen Wissenstandes und mit Hilfe der Vielfalt an Materialien und der modernen Produktionsmöglichkeiten werden Bögen konstruiert, die sehr ausgereift sein können. Aber mal ehrlich: Braucht es all diese technischen Errungenschaften? Und wenn ja, ist das Bogenschießen dann noch „traditionell“? Ich bin verblüfft von den Eigenschaften natürlicher Materialien wie Holz, Sehne und Horn, aus denen sich hervorragende Bögen bauen lassen. Begeistern kann ich mich aber auch gleichermaßen für glasbelegte Bögen, wenn sie gut durchdacht und ansprechend hergestellt wurden. Schließlich bieten sie einen effektiven und unproblematischen Einsatz.

 


Bögen aus Osage Orange
Osage-Orange-Flachbögen. Links ein reiner Holzbogen, rechts mit Klapperschlangen-Backing, Recurve-Enden und Hornnocken. Diese Bögen sind eine Weiterentwicklung der kurzen indianischen Bögen, die in der Regel auch weniger weit ausgezogen wurden.

Im zarten Alter von 8 Jahren, es war Ende der 80er Jahre, streifte ich mit meinem Vater und einem Freund durch die Natur. Wir waren vor Energie kaum zu bändigen, kletterten auf Bäume und bauten uns Hütten aus Laub und Ästen. Mein Vater fragte uns, ob wir Lust hätten, einen Bogen zu bauen. Wir Kinder waren begeistert und schnappten uns den erstbesten krummen, morschen Stock. Aber so würde das nicht funktionieren. Papa wusste es besser. Immerhin hatte auch ihm sein Vater, dreißig Jahre zuvor, gezeigt, wie man es richtig macht. (Und der hatte das Bogenschießen auch nicht selbst erfunden.) Papa hatte vorgesorgt und ein Taschenmesser dabei. Schon bald fanden wir einen Haselstrauch, der viele grade und gleichmäßige Triebe hatte. Nach einer eingehenden Beratung schnitten wir zwei passende Äste aus dem Busch. Dann noch Kerben in die Enden des Triebes geschnitten, eine Paketschnur aufgespannt, und schon bald flogen die ersten Stöckchen durch die Luft.

Holzbogenmoderne langbogen


An diesem Tag keimte ein Samenkorn in mir, aus dem mein Bogenweg werden sollte. Auf diesem Weg wandele ich seither. Bis heute sind durch meine Hände viele hundert Bögen in den unterschiedlichsten Spielarten und Ausführungsweisen entstanden. Und allen meinen Bögen liegt die gleiche Freude zugrunde: die Freude des Achtjährigen, der seinen ersten Haselnussbogen herstellte. Nun, meine Bögen sind mittlerweile gereift und erwachsen geworden. Sie werden mit erheblichem Aufwand hergestellt und haben sich um ein Vielfaches verbessert, was nicht zuletzt einer peniblen Sorgfalt zu verdanken ist, die ich ihnen stets angedeihen lasse. Aber nach wie vor liegt für mich die Seele des traditionellen Bogens in seiner schlichten Einfachheit.

Man kann einen Bogen in der Bauweise der amerikanischen Ureinwohner an einem Nachmittag, oder einen Horn-Sehnen-Kompositbogen im Zeitraum eines Jahres herstellen. Oder auch in kurzer Zeit einen glaslaminierten Langbogen oder einen Recurve. Alle diese Bögen greifen auf ihre Art den Geist unserer Vorfahren auf.
Immer schon haben die zeitlichen und technischen Gegebenheiten den Bogenbau beeinflusst. Gut lässt sich das durch die türkischen Kompositionen verdeutlichen, die einer regelrechten Evolution während des osmanischen Reiches (ca. 1299 bis 1922) unterworfen waren. Die kriegerischen Umstände dieser Epoche haben die Form und Bauweise der türkischen Bögen maßgeblich geprägt. Nur so konnte ein wirklicher High-Tech-Bogen aus Bio-Materialien entstehen, der einen unumstrittenen Platz in der Riege der Traditionsbögen einnimmt.

Doch zurück zur Moderne. Wir schießen heute mit unseren Bögen auf 3D-Turnieren, zum Spaß, bei den Olympischen Spielen, und teilweise auf der Jagd. Die jeweils zur Anwendung kommenden Bogenarten kennen wir alle mehr oder weniger gut: Jagdrecurves, Langbögen und Primitivbögen unterliegen zur Einteilung in die jeweilige Bogenklasse bestimmten Auflagen. Diese Auflagen und zeitgenössischen Ansprüche prägen die Erscheinungen und Funktionsweise unserer heutigen Bögen weiter.


Langbogen in moderner Bauweise
Reflex-Deflex-Bauweisen werden geschätzt, da sie neben einem schnellen Pfeil auch einen angenehmen Abschuss bieten. Die ersten Langbögen aus Laminaten orientierten sich noch an einem geraden Design, spätere Modelle haben ein stärker ausgeprägtes Reflex-Deflex-Profil und sind meistens kürzer.

Manche dieser Reglements verhindern eine innovative technische Formgebung. Und manchmal sogar den historisch korrekten Nachbau. Zwar braucht es ein Regelwerk, um einen möglichst fairen Wettkampf zu gewährleisten, aber als Bogenbauer möchte ich mich bewusst frei machen von diesen Einschränkungen, denn es geht mir darum, die handwerklichen Möglichkeiten auszuschöpfen und weiterzuführen.

Für mich ist Bogenschießen auch immer mit der Herstellung eigener Bögen verbunden gewesen. Die meisten traditionellen Schütz*innen haben Freude daran, ihre Ausrüstung – wenigstens teilweise – selbst herzustellen. Schön ist es, wenn der neue Satz Pfeile fein säuberlich aufgereiht vor einem liegt. Ein Armschutz oder ein Köcher, eine Bogentasche, sogar ein selbstgebauter Bogen – Dinge, die wir stolz auf ein Bogenturnier mitnehmen und bei Bier und Lagerfeuer mit unseren Freunden ausführlich teilen. Es ist die Freude am Tun, am Selbermachen und Teilen – nicht der reine Konsum von Bogensportartikeln. Vereine, Blogs und Social Media bieten heute mehr denn je Anregungen dazu. Das Bogenschießen bietet heute so viele Möglichkeiten, da ist es vielleicht gar nicht so wichtig, ob unser Bogen irgendeiner Definition von „traditionell“ oder einer Wettkampfregel entspricht. Die eigentliche Frage ist, was uns am Bogenschießen wichtig ist.


Experimentelle Bauweise
Ein experimenteller Bogen, der die Formen des Reiterbogens aufgreift, und trotzdem länger gehalten ist.

Kennt ihr diesen Moment – der Pfeil ist noch in der Luft, und ihr wisst, der ist gleich im Kill? Bogenschießen mit allen Sinnen, traditionelles Bogenschießen eben. Vielleicht muss der Pfeil ja dann auch gar nicht aus Karbon sein?


Einen sauber durchdachten und gut gearbeiteten Bogen mit abgestimmten Pfeilen zu besitzen, der obendrein auch noch zu einem passt, ist eine feine Sache. Die Freude, ihn zu schießen, kann aber nur aus uns selbst kommen. Ein traditioneller Bogen sollte genau dieses können – dem Schützen die Möglichkeit bieten, sich selbst zu verwirklichen. Und das tut er meiner Meinung nach am besten, wenn er mit Herz und Verstand aus möglichst natürlichen Materialien durch handwerkliches Geschick hergestellt wurde.


Jagdrecurve
Ein moderner Jagdrecurve mit verspielten Tusche-Verzierungen.

Wie ihr merkt, halte ich ein Plädoyer für das Einfache. Einfach, aber genial. So wie traditionelles Bogenschießen – wo auch immer uns sein Weg hinführt. Das bekannte Sprichwort trifft es ganz gut: "Tradition ist, die Flamme weiterzugeben, nicht, die Asche zu bewahren."

Indianische Bögen
Indianische Bögen, die sich an der Bauweise und Gestaltung der Plains orientieren. Es sind mit Sehnen belegte Bögen, die mit dem "Pinch-Grip" geschossen wurden. Am oberen Ende gefärbtes Rosshaar.

Bambuskomposite-Bogen
Ein Bambus-Composite, der in Herstellungsweise und Bauart durch japanischen Bogenbau inspiriert ist. Hier sind Rücken und Bauch aus Bambus, dessen Nodien unverletzt bleiben.

Türkische Hornkompositebogen nur 44" lang
Ein kurzer und starker Türkischer Kriegsbogen, noch ohne Bemalung und Versiegelung. Die Herstellung dieser Bögen aus Horn, Holz und Sehne dauert ca. 1 Jahr und stellt allerhöchste Ansprüche an den Bogenbauer.

Hier gehts zu den Langbogen


Hier gehts zu den Primitivbogen/Holzbogen


Zur GALERIE


Weitere Links